07. September 2022

Delphi-Studie „Zukunft ungewiss“

Delphi-Studie „Zukunft ungewiss“

Der Fachkräftemangel macht sich vielerorts bemerkbar und Auszubildende werden händeringend gesucht. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Perspektiven für junge Menschen – aber gilt das für alle Jugendlichen?

Leider nicht: Trotz zahlloser unbesetzter Ausbildungsplätze bleiben laut Statistik mehr als ein Drittel der Personen mit Hauptschulabschluss zwischen 20 und 34 Jahren ohne Ausbildung. Von denjenigen ohne Schulabschluss sind es sogar fast zwei Drittel. Eine beunruhigende Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund haben die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und die Bertelsmann Stiftung Expert:innen aus dem Bereich der beruflichen Bildung zu den Ausbildungsperspektiven junger Menschen mit niedriger Schulbildung befragt.

Das Bureau für Zeitgeschehen hat diesen zweistufigen Delphi-Prozess methodisch begleitet. Zunächst wurden aus 25 halbstrukturierten Tiefen-Interviews Hypothesen zur Zukunft des Ausbildungsmarkes im Jahre 2030 aufgestellt. Diese wurden dann mehr als 100 Expert:innen aus Schulen und Bildungseinrichtungen, Betrieben, Kammern, Gewerkschaften und Verbänden, Ministerien und Verwaltungen, von Arbeitsagenturen, Wissenschaft und Forschung sowie Stiftungen zur Validierung und Schärfung vorgelegt.

Die Ergebnisse dieser Delphi-Befragung sind aufrüttelnd und zeigen: Im Spannungsfeld zwischen steigenden Qualifikationsanforderungen einerseits und rückläufigen Jobperspektiven für Ungelernte andererseits wird es für Jugendliche mit niedriger Schulbildung immer schwieriger werden, ihren Weg in der Arbeitswelt zu finden. Aber es zeigen sich auch Hebel, um einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken: Viel Potenzial wird bspw. in Berufsorientierung und individueller Begleitung gesehen, um jungen Menschen Übergänge zu erleichtern.

Entlang von vier großen Handlungsfeldern zeigen Bertelsmann Stiftung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung auf, wie die Integration gering qualifizierter Jugendlicher trotz steigender Anforderungen gelingen kann (> Download):

 1.  Kompetenzförderung und -anerkennung für Jugendliche mit maximal erstem allgemeinbildenden Schulabschluss

2.  Individuelle Berufsorientierung von der Schule bis zur Ausbildung

3.  Flexible und attraktive Ausbildungs(zu)gänge für Jugendliche mit maximal erstem allgemeinbildenden Schulabschluss

4.  Bündelung von Zuständigkeiten und gemeinsame Verantwortungsübernahme am Übergang Schule-Ausbildung

Am 8. November 2022 stellen Bertelsmann Stiftung und Deutsche Kinder- und Jugendstiftung die Ergebnisse im Rahmen einer Web-Konferenz vor und lassen sie von Vertreter:innen aus Wissenschaft und Praxis kommentieren. Die Web-Konferenz findet statt von 11:00 bis 12:30 Uhr. Wenn Sie teilnehmen möchten, schicken Sie bitte eine Mail an chance-ausbildung@bertelsmann-stiftung.de


Beitrag im Deutschlandfunk: „Bertelsmann-Studie: Geringe Schulbildung – geringe Beschäftigungschancen“ (6. September 2022, 04:17)