12. April 2022

Outbreak 24: Simulation einer hoch-letalen Pandemie

Outbreak 24: Simulation einer hoch-letalen Pandemie

Die COVID-19-Pandemie ist die erste globale Pandemie seit der Spanischen Grippe vor 100 Jahren, die wohl ca. drei Mal häufiger zum Tod führte als der derzeit kursierende Erreger SARS-CoV-2. Betrachtet man die sozialen, ökonomischen und politischen Folgen der gegenwärtigen Corona-Pandemie – insbesondere hinsichtlich der Leistungsfähigkeit öffentlicher Gesundheitssysteme und der Effektivität multilateraler Kooperation – so ist kaum vorstellbar, was der Ausbruch einer Infektionskrankheit mit einer deutlich höheren Sterberate zur Folge hätte.

 

Genau dieser Frage sind wir nachgegangen

Die realitätsnahe Simulation einer solchen Extremlage durfte das Bureau für Zeitgeschehen (BfZ) im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung Panama / Regionalprogramm Allianzen für Demokratie und Entwicklung mit Lateinamerika (ADELA) konzipieren und in der stiftungseigenen Villa La Collina am Comer See durchführen.

„Outbreak 24“ lautet der Titel unserer mehrtätigen Veranstaltung, während der renommierte Fachleute aus neun Ländern und vier Kontinenten im November 2021 das pandemische Auftreten einer hoch-letalen und äußerst infektiösen Virusvariante (SARS-CoV-5) unter Anleitung des BfZ simulierten. Eine Grundannahme von „Outbreak 24“ war, dass selbst die tiefgreifenden Erfahrungen der gegenwärtigen Pandemie nicht zu einer elementaren Verbesserung des internationalen Krisen- und Gesundheitsmanagements führen. Oder in anderen Worten: „We always manage the last pandemic.”

In drei Spielrunden, jeweils eingeleitet durch verschärfte Entwicklungen im „Breaking News“-Format, wurden die Teilnehmenden in einen Zustand maximaler Unsicherheit versetzt, in der sie tiefgreifende gesundheits-, innen- und sicherheitspolitische Entscheidungen im Namen ihrer Regierungen zu treffen hatten. Anhand dynamischer Computer-Modelle konnten die Teams den Pandemieverlauf in ihren Ländern in Abhängigkeit der getroffenen staatlichen Interventionen simulieren.

Antworten auf Fragen zur nationalen Koordinierung von Maßnahmen und Zuständigkeiten mussten ebenso dringend gefunden werden, wie Strategien zur effektiven Eindämmung des Virus. Die Erhaltung von öffentlicher und Versorgungssicherheit oder kritischen Infrastrukturen waren weitere Kategorien von hoher Relevanz – immer begleitet durch die Notwendigkeit einer kohärenten Krisenkommunikation.

Zentrale Erkenntnisse waren wie folgt: Das gegenwärtige, zerfallende internationale System ist nicht hinreichend gewappnet, um eine hoch-letale Pandemie zu managen. Deshalb spielen große und einflussreiche Staaten eine zentrale Rolle, um zu einem grenzüberschreitenden, solidarischen und kooperativen Pandemie-Management zu kommen. Privatwirtschaftlicher Wettbewerb spielt eine wesentliche Rolle bei der schnellen Entwicklung von Impfstoffen; staatliche Koordination wird v.a. zur Bereitstellung von Forschungsmitteln und bei der Verteilung von Impfstoffen (sowie zur Politikkohärenz) benötigt. Regionale Organisationen wie die EU oder die AU können als politische und Public-Health-Innovationsplattformen dienen, an die sich auch andere – nicht integrierte – Staaten hängen; auf diese Weise würden einige der funktionalen Defizite des internationalen Systems überbrückt

Die Filmemacher DIE ZWO haben die Veranstaltung filmisch begleitet und viele Stimmen und Impressionen im folgenden Video eingefangen.

 

YouTube-Video: Lange Version

Produktionsfirma: DIE ZWO

Außerdem wurde unsere Simulation in der spanischen Zeitung Política besprochen: Zum Artikel

Zwei Teilnehmerinnen aus Argentinien analysierten ihre Erkenntnisse in folgendem Video-Podcast: Zum Tweet inkl. Video